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Vom vierbeinigen Kampfschmuser bis zu prügelnden Priestern

Sachen zum Weinen und zum Lachen als Belohnung der „Kirchenkundschafter“

Schlicht und einfach gesagt: Es war eine tolle Idee, die Rätselrallye-Beteiligten (einschließlich der Sponsoren) nach monatelangem „Blick übern Kirchturm“ im ev. Kirchenkreis Nienburg mit einem kunterbunten Kabarett-Abend in Nienburgs Martinskirche zu belohnen.

„Sachen zum Weinen und zum Lachen“ brachte Matthias Schlicht an die Stätte einstigen Vikar-Daseins. Statt Bibel und Gesangbuch hatte er seine Gitarre dabei. Die Texte hat er im Kopf, und auch sonst kennt er sich aus: „Es gibt Städte, da möchtest du nicht tot überm Zaun hängen – doch das gilt nicht für Nienburg. Nienburg, eine Stadt mit Stil, liegt vor Hannover wie ein Fels!“
Der einstige Konventualstudiendirektor in Loccum und jetzige Gemeindepastor in Buxtehude weiß über die Kreisstadt Bescheid. Das beginnt vorm Kirchenportal mit Sachsenherzog Widukind und Karl dem Großen und reicht vom Eroscenter bis zur Glasfabrik. Auch die Heimatzeitung ist dem reimenden Rhetoriker nicht fremd: „Die Harke ist kein Gärtnerblatt / das weiß doch jedermann / auch wenn man’s innen nicht / immer merken kann“. Sprach’s, und erntete den ersten großen Applaus im (fast) voll besetzten Gotteshaus.
Wie von Pastor Heinrich Schulze als Sprecher des für die Rätselrallye verantwortlichen Öffentlichkeitsausschusses des Kirchenkreises in der Begrüßung angekündigt worden war, nimmt Matthias Schlicht Strukturen und Leben in den Blick und aufs Korn, will (nicht nur) seinem Publikum „ein Licht aufgehen lassen“. Schwer vermittelbare Sprache Kirchenoberer ebenso wie vieler Politiker nimmt der ungewöhnliche Kabarettist mit wirkungsvoller Gestik und Mimik auf die Schippe; fühlt sich „wie Kerner vor Eva Herrmann“.

Schlichte Mimik

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Wie kunstvoll verwirrend er selbst mit Sprache umgehen kann, beweist er in gelungener Wortspielerei, die „Reinlichkeit und Recht und Freistoß“ ebenso einbezieht, wie das, wo üblicherweise der Hase im Pfeffer liegt; hier jedoch „die Hose im Pfeffer lügt“.
Zeitloses und Zeitnahes sind miteinander verwoben: „Die Erde wird global erwärmt – es erkaltet die Gesellschaft“ wird festgestellt, „Wir erleben nach 2000 Jahren noch mal spätrömische Dekadenz“ hinzugefügt. Prügelnde Priester und „alte Herren mit Vorliebe für kleine Jungs“ bleiben nicht unerwähnt.
Wie harmlos verhalten sich dagegen andere verlorene Werte und Worte, wie zum Beispiel Begriffe wie Lichtspielhaus, Sendeschluss-Testbild oder – ganz etwas anderes – Schlüpfer. Schlichts schlichte Erwartung: „Der deutsche Schlüpfer stirbt aus!“ Sich an kindgerechte, sorgfältig dosierte Fernsehprogramme erinnernd, erkennt er: „Heute liegen vier Fernbedienungen nebeneinander.“
Auch die gute, alte Bibel hat er gedanklich zur Hand, wenn’s etwa um eine Glaubenskrise auf anderer Leute Toilette geht; ums Stehen oder Sitzen. Schlicht hält der Überzeugung „Da sieht’s ja keiner“ den 132. Psalm entgegen, mit Worten aus zweitem Vers: „Ich sitze oder stehe – Du weißt es“.
Beliebig lange ließe sich das Themenspektrum fortsetzen. Vom Waschlappen als der Dusche des kleinen Mannes über Pubertät und Männern in der Mitleidskrise, von Pastoren-Angst vorm Predigen bis Schlichts Golden-Retriever, namens Sam „der Kampfschmuser“. Doch auch Melancholie ist zu spüren, wenn es beziehungsreich-besinnlich heißt: „Nun bist du fort. Was ist gescheh’n? Hast nachts die rote Ampel überseh’n…“
(Jürgen Heckmann)

Nach dem Kabarett von Matthias Schlicht wurde zahlreichen verdienten Menschen gedankt:

Herzlichen Dank!

Sieger

Bevor es zum gemütlichen Teil bei Wein, Saft, Wasser und Gebäck überging, wurden die Gewinner der 3. Runde der Rätselrallye ausgelost: hier das Ergebnis!