Unwirtliche Gegend
Während sich andere Gemeinden gern mit ihrem hohen Alter brüsten, kann sich dieser Ort wohl der jüngste im Landkreis Nienburg nennen. Erst 1919 zogen die ersten Siedler in die unwirtliche Gegend. Landrat von Woyna hatte sie zur Kultivierung des weiten Landstrichs ohne Baum und Strauch ermuntert, in welchem der Wolf keineswegs nur Märchenwesen war. Die an Entbehrungen und Arbeit reiche Anfangszeit zu überstehen, halfen – wenn auch unfreiwillig – Menschen fremder Sprache und Kultur: Insassen eines von 1914 bis 1924 bestehenden Kriegsgefangenenlagers. Zwei Jahre später erhielten die Siedler kommunalpolitische Selbstständigkeit; wobei die etwa 60 Familien bis 1974 Bürger des Landkreises Neustadt waren. Dann kam die Gebietsreform – und mit ihr der Verlust der Eigenständigkeit.
Viel Eigenleistung
Gewandelt hat sich aber auch das Dorfbild. Von viel Grün sind die Hofstellen und Wohngebäude umgeben; lange Alleen führen zum Dorfmittelpunkt, dessen Bezeichnung fast Fingerzeig auf ein Observatorium sein könnte. Tatsächlich stellt aber keine Sternwarte, sondern eine 1932 eingeweihte Kapelle die Gedankenverbindung zum Himmelsgewölbe dar. Hatten Gottesdienste zuvor jeweils im einstigen Lagerbereich und anschließend in der neuen Schule im Ortskern stattgefunden – wozu der Pastor im vierwöchentlichen Rhythmus mit Pferd und Wagen aus dem gut zehn Kilometer entfernten Nachbarort geholt wurde –, so hatten örtliche Handwerker nun noch einmal echten Siedlergeist bewiesen und ließen Pläne des Architekten Klatt „für’n Ei und ’n Butterbrot“ Wirklichkeit werden.
Dachreiter mit Glocke
Die „Pastorengemeinde“ sorgte für das Bauholz, die Landeskirche stiftete eine Orgel, und aus der ehemaligen russischen Lagerkirche wurde die Glocke für den charakteristischen Dachreiter des kleinen Gotteshauses beigesteuert.
Verheißungsvoll
Seither gab es bereits einige Veränderungen. Besonders originell dabei: eine per Kettensäge ins Bild gesetzte biblische Verheißung aus Jesaja 40, Vers 31.
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