Video Kirche 16

Kein Ringkampf

Man könnte schwer ringen in der Überlegung, wie man das 1922 eingeweihte Gebäude zuzuordnen hat: Geht’s nach dem Aussehen, ist es zweifellos eine Kirche, richtet man sich nach dem rein Formellen, ist der bescheidene Status einer Kapelle zu akzeptieren. Und dabei hat dieses Gotteshaus – dies wird man ja wohl sagen dürfen – alle Attribute einer „richtigen“ Kirche: Zu allererst einen recht stattlichen Turm, einen imposanten Eingang, und eine nicht minder eindrucksvolle Innengestaltung.

Und doch hatte hier einst der Pastor aus der Nachbar(weser)gemeinde zwölfmal im Jahr zu predigen; interessanterweise „immer an einem Werktage“. Doch obwohl sie den Geistlichen sonntags nicht hergeben mochten, vertraten die Nachbarn stets den Standpunkt, beide Orte gehörten seit undenklichen Zeiten zusammen. Stimmt aber nicht! Die Gemeinde mit großem Pfarrhaus gehörte mittelalterlich zum Bistum Minden, die Kapellengemeinde, um die es hier geht, war dem Bistum Bremen zugeordnet.

Und kommunalpolitisch ist man nach wie vor in entgegen gesetzter Richtung orientiert. Aber das will nicht viel heißen in einer Zeit, die in hohem Maße vom Rotstift dirigiert wird. Kaum zu glauben, dass Ende des 19. Jahrhunderts ein ganzer Hof gestiftet werden sollte, um eine eigene Pfarre zu gründen. Kaum zu glauben angesichts einer Situation, in der starker Glaube vonnöten ist, wenn’s selbst im traditionsreichen Pfarrhaus „nebenan“ bei weitem nicht mehr „wie seit fast undenklichen Zeiten“ ist. – Übrigens: Den Entwurf für die gesuchte Gotteshauskapelle hatte schon vor dem Ersten Weltkrieg der hannoversche Kirchenbaumeister Eduard Wendebourg gefertigt. Manche Leute erinnern sich an den (Nach)namen.

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