Video Kirche 15

Himmel blau

Die politische Gemeinde behauptet – gereimt und auf den Ortsnamen bezogen –, dort sei der Himmel blau. Das ist aber wohl eher ein Wunschgedanke. Wie sonst könnte es geschehen sein, dass der 35 Meter hohe Kirchturm 1862 als (vergleichsweise bescheidener) Ersatz für eine durch Donner und Blitz zerstörte Spitze errichtet wurde, die deutlich höher das Gotteshaus überragt hatte? Und auch das Gotteshaus selbst ist kein Erstlingswerk. Vielmehr dürfte auf jener flachen Erhebung unweit von Weser und Aue bereits um 900 n. Chr. ein Holzkirchlein gestanden haben. Seinem Namenspatron ist es der Überlieferung zufolge wortwörtlich zu heiß unter den Füßen geworden. Ungemütlich ging es später selbst bei jenen zu, die – lange nach den Sachsen, die ein paar Kilometer entfernt geraume Zeit im Dünensand ihre Toten bestatteten – sich zwar ebenfalls als Christen verstanden, aber eher wacker als brav aufeinander los- und in die Heimatgeschichte eingingen. Die Hoyaer Grafen auf der einen und die Mindener Bischöfe auf der anderen Seite spielten dabei eine Hauptrolle. Doch das ist Vergangenheit, und es lohnt sich, in vorgenannter spätgotischer Kirche einmal all das ins Auge zu fassen, was die vergangenen Jahrhunderte weitgehend unbeschadet überstanden hat.

Hervorzuheben in dem dreischiffigen Hallenbau mit Kreuzgewölbe sind ein 1511 aus Sandstein gearbeitetes, mehr als sechs Meter hohes Sakramentshäuschen, der nur wenig jüngere Schnitzaltar sowie die Priechen vornehmer Familien. Auffallend dabei: Die Priechen sind höher als die Kanzel, so dass der Pastor zwar über den einfachen Menschen stand, der Adel jedoch stets auf den Geistlichen herabblickte. – Ob sich der Amtsträger jetzt wohl deswegen mit Abschiedsgedanken trug?

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