Kirche im Sonnenschien

Herrlicher Sonnenschein. Warmes Sommerwetter. Die Gartenarbeit lockte. Radtouren waren möglich. Trotzdem kamen mehr als 20 Personen, um an der dritten Kirchenführung der Volkshochschule Nienburg und des Kirchenkreises in St. Michael im Nienburger Nordertor teil zu nehmen. Natürlich kamen fast alle angeradelt, sogar aus entfernten Orten wie Stöckse.
Mit ihrer jungen Geschichte von knapp 54 Jahren steht die Kirche im Nordertor nicht allein; sie ist Teil der Martinsheidesiedlung. Schon 1964 hat sie auf der Weltausstellung in Brüssel einen bedeutenden Preis erzielt. Seit Jahren steht sie, trotz ihrer Jugend, als Ensemble unter Denkmalschutz. Die Stadt Nienburg, die Kirche mit Pastor Arnulf Werwath und die Kali-Chemie mit dem Kaufmännischen Direktor Jürgen Ritter haben hier ein städtebauliches Kleinod geschaffen, mit einer großen Wohnsiedlung für junge Familien, Kirche, Kindergarten, Pfarrhaus und Ladenzeile in der Prinzenstraße als Zentrum. Die Kirchenführung begann darum mit einem Rundgang durch die Wohnsiedlung Martinsheide.

St. Michael - Retter vor dem Bösen

Die Kirche St. Michael ist theologisch sehr durchdacht, verwurzelt in frühkirchlicher Bauweise und geprägt von der Erfahrung des erst wenige Jahre vorher beendeten Krieges mit allem, was das Leben belastet, zerstört und verdüstert, nun aber aufstehen und aufbrechen lässt in ein neues Leben:
An der geschlossenen Wand des Westgiebels ist außen der Namensgeber der Kirche dargestellt, der Erzengel Michael. Er tötet den Drachen, der für alles Böse steht, das Leben und die Menschen verschlingt. Die Mächte des Bösen sollen nicht in die Kirche eindringen.

Vom Dunkel zum Licht

Der Kirche vorgelagert ist am Ende eines Glasganges zum Eingang der Kirche hin die Taufkapelle. Zu ihr geht es einige Stufen hinunter wie in eine Gruft: die Mächte des Bösen in uns sollen in der Taufe ersäuft werden und mit Christus sterben. Wie in einer symbolhaften Auferstehung steigt der Getaufte aus dieser Taufkapellengruft auf und zieht mit der Gemeinde in die Kirche ein. Auch der große Kirchraum, der ungefähr 600 Menschen Platz bietet, ist symbolisch gestaltet: vom Dunkel zum Licht, vom Tod zum Leben. Der Kirchraum wird zum Altar im Osten hin immer heller. Und an der weißen Altarwand ist in einem großen Kunstwerk Christus als Weltherrscher dargestellt; er thront auf dem Regenbogen, der Himmel und Erde verbindet. Er sieht die Menschen, spricht sie an, segnet sie und lädt sie zu sich ein: er will sie trösten und aufrichten, stärken und ermutigen.

Aufstehen und in ein neues Leben gehen

Die Symbolik vom Tod zu neuem Leben, die die Kirche als Ganze prägt, wird mit zwei Kunstwerken verstärkt: Das Buntglasfenster in der Taufkapelle zeigt die Arche Noah am Ende der großen Flut: die Geretteten können neu ins Leben gehen. Der Griff an der Tür von der Taufkapelle zur Kirche zeigt Jona, der vom Fisch im Untergang gerettet wurde und nun an Land gespuckt wird, hinein in ein neues Leben.

Geht es weiter?

Zum Abschluss der Kirchenführung wurde der ‘Wunsch nach mehr‘ geäußert: Volkshochschule und Kirchenkreis Nienburg mögen diese interessante Reihe fortsetzen. Bei der Rätselrallye hatten die Teilnehmenden die meisten Kirchen besucht und gesehen. Mit diesen Führungen in Estorf, Marklohe und St. Michael werde jedoch ein viel tieferer Einblick in die Lokalgeschichte, die Baukunst und das Denken der Menschen und ihrer Kultur geboten. "Es lohnt sich, hier weiter zu machen," so eine Teilnehmerin.
Weitere interessante Informationen und zahlreiche Fotos von den Besichtigungen und zu den Kirchen und Kapellen des Kirchenkreises Nienburg sind im Internet zu finden unter www.kirchenienburg.de.

Geschichte von St. Michael