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Großes Interesse an St. Martin

Fast 40 sehr interessierte Besucher waren gekommen, um sich von Hein Spreckelsen, Landessuperintendent i.R., durch die Kirche St. Martin in Nienburg führen zu lassen. Die Kirchenbesichtigung begann allerdings draußen: zunächst zeigte Hein Spreckelsen an der Ostseite die besonderen Zeichen in dem Stützpfeiler, ein besonders gestaltetes Kreuz und darüber ein Pinienzapfen. Der Pinienzapfen als Symbol entstammt dem ägyptischen Isiskult. Christen haben dieses Symbol übernommen als Zeichen der Auferstehung und Unsterblichkeit.

Die Südfront

“Die Südfront von St. Martin mit Ihren beiden Giebeln“, so Hein Spreckelsen, “ist ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch.“ Wer es zu lesen versteht, hat die Baugeschichte der Kirche vor Augen. Die wohl erste Kirche aus Stein – davor gab es wahrscheinlich schon eine Kirche aus Holz – war ein geosteter einschiffiger Bau. Dieser wurde zu einer Kreuzform erweitert und später mit dem Giebel (Richtung Westen) ergänzt. Hier war auch der Haupteingang der Kirche. Die heutige dreischiffige Hallenkirche wurde im Jahre 1441 eingeweiht.

Landessuperintendent i.R. Hein Spreckelsen zeigt die ursprüngliche Form der Kirche: einschiffig und von West nach Ost ausgerichtet. Zum Teil sind alle Steine des Mauerwerkes genau vermessen und so ist deutlich, wie diese Südfront von St. Martin im Laufe der Jahre verändert wurde.

Der Innenraum

In der Kirche findet man an verschiedenen Stellen noch Reste der ursprünglichen Ausmalung. So ist Christus als Weltherrscher dargestellt mit Maria und Johannes. Israelitische Kundschafter tragen eine riesige Traube; im Gelobten Land gibt es Wein in Fülle. Wein ist in der Bibel das Getränk der Heilszeit. Und David tötet den Riesen Goliath mit einer Steinschleuder. Andere Bilder zeigen das Leben Jesu von der Ankündigung seiner Geburt bis zur Auferstehung.

Auf dem Bild - links - betet Jesus kurz vor seinem Tod im Garten Gethsemane: Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorrüber. Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.

Grabplatten als Glaubensgeschichte

In früheren Zeiten war der jetzige Altarraum vor allem Bestattungsplatz für herausragende Persönlichkeiten. Die Grabplatten, an verschiedenen Stellen in der Kirche, geben davon Zeugnis. Wer sie liest findet darauf eine ganz eigene Frömmigkeitsgeschichte dargestellt: Geht es in frühesten Zeiten vor allem darum, auf das Heil hinzuweisen, dass uns Jesus Christus erworben hat, so werden in späteren Jahrhunderten auch die besonderen Leistungen der Verstorbenen hervorgehoben.

Gruppe der Apostel

Auf dem Altar steht die Gruppe der zwölf Apostel; sie sind nicht als Heilige dargestellt, sondern als Menschen, die mitten im Leben stehen. Hergestellt wurde sie in der bekannten Künstlerwerkstatt des "Meisters von Osnabrück".Bereits von 154 bis 1831 standen diese Figuren in der Martinskirche. Bei einer umfassenden Sanierung der Kirche war für sie kein Platz mehr und sie gingen in Privatbesitz überKurz vor einer bereits angesetzten Versteigerung 1986 in London konnten sie auf Initiative von Nienburger Institutionen und Bürgern gegen einen Festpreis zurückgekauft werden.
Die Apostel sind Ausdruck einer neuen Frömmigkeit zu Beginn des 16. jahrhunderts: sie werden nicht idealisiert, sondern als Männer mitten aus dem Volk dargestellt.

Danke

Es war eine kurzweilige und interessante Führung, die Landessuperintendent in Ruhe Hein Spreckelsen den Hörerinnen und Hörern geboten hat. Pastor Heinrich Schulze danke ihm im Namen aller Teilnehmenden für die vielen Informationen zur Bau-, Kultur- und Glaubensgeschichte, von der die Kirche St. Martin Zeugnis gibt.

Zahlreiche Anfragen nach einer Fortsetzung der Reihe im nächsten Jahr wird Pastor Heinrich Schulze mit der Volkshochschule und Kollegen im Kirchenkreis abklären.