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Sammeln vor der Kirche Bücken

“Das ist ja toll!,“ freute sich Dieter Labode, Leiter der Volkshochschule Nienburg, “14 Menschen sind angemeldet und 35 sind gekommen.“ So erfreut, wie Dieter Labode schon zu Beginn der Kirchenbesichtigung in Bücken war, so begeistert waren alle Teilnehmer nach der Veranstaltung; denn Erika Herken hat es verstanden, mit Herz und Verstand auf sehr lebendige und mitreißende Art, den Besuchern “ihre Kirche“ nahe zu bringen.

Triumpfkreuz

Als die Gruppe in die Kirche kam, beschien die Sonne das große Triumpfkreuz von 1230. Tod und Auferstehung Christi sind in einem Bild zusammengefasst: Über dem leeren Grab ist ganz groß Christus am Kreuz aus grünen, lebenden Holz zu sehen. Seine Arme erwecken den Eindruck, als seien sie segnend ausgebreitet. Vier Engel tragen das Kreuz nach oben und übergeben es in Gottes Hände. Unter dem Kreuz stehen Maria und Johannes mit den beiden Namenspatronen Materniani und Nicolaus. Das Kreuz steht auf einem großen Apostelbalken. Dreizehn Apostel haben ein offenes Buch in der Hand; in der Mitte sitzt Maria mit dem Jesuskind und daneben weine unbekannte Figur.

Die Glasfenster

Aus dieser ersten Blütezeit von Stift und Kirche in Bücken stammen auch die einmalige Steinkanzel (1250) und die berühmten Glasfenster (1250).
“Sie sind zu viele Besucher,“ meinte Erika Herken, "wir passen nicht alle gleichzeitig hinter den Altar, um die berühmten Glasfenster der Kirche zu betrachten.“ Schüler der Glasmaler, die die berühmtesten Glasfenster des Mittelalters in der Kathedrale in Chartre um 1230 gefertigt haben, haben als Wandergesellen im 13. Jahrhundert die Glasfenster der Kirche in Bücken geschaffen (1250). Das Besondere dieser Fenster ist, dass sie keine statischen Darstellungen von Ereignissen zeigen, sondern Geschichten erzählen und dabei die Liturgie des Gottesdienstes aufnehmen.
Das große Fenster in der Mitte, das Christusfenster, erzählt das Leben Jesu von der Krippe bis zum Kreuz. Die beiden Fenster rechts und links sind den Namenspatronen der Kirche gewidmet: dem Heiligen Materniani und dem Heiligen Nicolaus; sie zeigen bedeutende Stationen aus dem Leben dieser Bischöfe.

Geschichte

Pastor Heinrich Schulze, der als Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises Nienburg zusammen mit der Volkshochschule die Kirchenbesichtigungen durchführt, freute sich sehr über die ausgesprochen gute Beteiligung aus dem gesamten Landkreis Nienburg. Es war ein anregender, spannender und kurzweiliger Nachmittag, den die Kirchenführerin den Besuchern bereitete.
“Die Geschichte der Kirche in Bücken begann 882“, so Erika Herken, “als Erzbischof Rimbert aus Bremen das Stift Bücken gründete.“ Erika Herken hat mit sehr viele Liebe zu dieser ihrer Kirche die Führung durchgeführt, ihre Geschichte dargelegt und die einmaligen Kunstgegenstände mit ihren Worten lebendig werden lassen. Eine eher bescheidene Holzkirche wurde 1050 durch eine erste große Steinkirche ersetzt. Um 1200 wurde die Kirche mit ihren zwei Türmen so gebaut, wie wir sie heute noch vorfinden. Damals erlebten das Stift und die Kirche eine Blütezeit, weil der damalige Bremer Bischof den dortigen Domschatz aus Sicherheitsgründen nach Bücken bringen ließ, wo dieser Domschatz nicht nur verwahrt, sondern auch genutzt werden sollte. Neben den Glasfenstern stammt auch das berühmte Triumpfkreuz (1230) und die einmalige Steinkanzel (1250) mit der Darstellung des Moses aus dieser Zeit.
Eine zweite Blütezeit erlebte das Stift Bücken ungefähr 300 Jahre später kurz vor der Reformation. Aus dieser Zeit stammt der großartige Altar, der den gesamten Altarraum einnimmt. Aus dieser Zeit stammt der kunstvoll geschnitzte Altarschrein, der den gesamten Altarraum von rechts nach links einnimmt. Im Mittelfeld zeigt er, wie Jesus das Kreuz trägt. Daneben ist die Heilige Veronika mit ihrem Schweißtuch zu sehen. In schwungvoller Gestaltung drängt der Zug zur Kreuzigung im oberen Teil des Bildes.

Der Altarschrein

             
Der Kreuzigungszug Jesus trägt sein Kreuz Die Kreuzigung Unter dem Kreuz Die Gekreuzigten Veronika mit Schweißtuch Ein Affe als Symbol des Teufels

Das Chorgestühl

Das Chorgestühl wurde um 1340 aus Holz geschnitzt. In diesem Gestühl saßen oder standen die Stiftsherren bei den täglichen Chorgebeten. Viele der figürlichen Darstellung fordern zu Reinheit und häufigem Gebet auf. Für die Datierung ist die Doppelwange zur Kanzel wichtig: Es sind die Wappen Karls IV (1316-1378) und seiner ersten Frau, einer französischen Prinzessin, die er 1337 heiratete.

Wangen am Chorgestühl

Taufbecken

Der Taufstein im Altarraum wurde 1867 von dem hannoverschen Bildhauer Maßler geschaffen. Die Reliefs zeigen Szenen aus dem Leben des Heiligen Bonifatius und der Arbeit der Hermansburger Mission.
Besonders interessant ist der Gipsfußboden um dieses Taufbecken herum: In einem durchgehend weißen Gipsfußboden wurden die Stellen herausgekratzt, die farbig werden sollten und dann mit farbigem Gips ausgefüllt. Die vier Paradiesströme gehen vom Taufbecken aus; die Tauben sind Symbol des Heiligen Geistes und auch die Hirsche sind Symbole, die auf die Taufe bezogen werden - "Wei der Hirsch schreit nach frischen Wasser." (Psalm 42)
Der Hirsch war wohl das Lieblingstier des Baumeisters Holzen, der nach 1860 an der Kirche gearbeitet und den 50 Jahre vorher abgetragenen Nordturm wieder aufgebaut hat.
Im nördlichen Seitenschiff der Kirche steht ein Taufbecken aus der Barockzeit.

             
Deckel zur Barocktaufe Taufbecken von 1867         Barocktaufe

Der Bücker Kreuzweg

Auch aus neuester Zeit gibt es kunstvolle Spuren in der Kirche zu bewundern: Aus Altkupferblechen vom Dach der Kirche hat der Künstler Holger Hirndorf aus Warpe einen Kreuzweg in 14 Tafeln geschaffen. Auf diesen Tafeln sind Bezüge zu den in der Kirchen vorhandenen Kunstwerken vergangener Jahrhunderte und zum Leben der oftmals geschundenen Menschen auf dieser Erde in unserer Zeit zu erkennen.



   
   

Danke - es war toll!

Im Namen aller Besucher danke Pastor Heinrich Schulze als Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises Frau Erika Herken: „Sie haben uns ihre Kirche mit ihrer kunstvollen Ausstattung nahe gebracht und man spürt Ihnen an, wie sehr sie diese Kirche lieben.“